Techniken und Arbeitsmaterialien des Tischlers

Das Herstellen eines Möbels umfasst verschiedenste Techniken, Maschinen und Werkzeuge. Für viele Arbeiten gibt es (noch) traditionelle Herstellungsmethoden, die das Handwerk, im eigentlichen Sinne seines Wortes, herausfordern. Hier werden, neben klassischen Maschinen häufig Handwerkzeuge und Handmaschinen eingesetzt. Der Zwang rationell, aber auch sicher und ökonomisch zu Arbeiten, ließ neue Arbeitsverfahren und Betriebseinrichtungen aufkommen. Seither übernehmen häufig computergesteuerte Maschinen Arbeiten, die früher von Hand ausgeführt wurden. Sie bieten allerdings auch ganz neue


Möglichkeiten z. B. in der Umsetzbarkeit von früher nur schwer herzustellenden Bauteilen, im Fertigungsablauf und der Formgebung. Parallel dazu haben sich Holzwerkstoffe immer mehr durchgesetzt, da sie viele Vorteile, wie Homogenisierung, größere Dimensionierung usw., mit sich brachten. Auch ihr Einsatz erfordert wiederum andere Maschinen und Techniken. In der Praxis wird stets von allem etwas dabei sein.

Beispielhaft soll kurz das Herstellen eines Vollholzmöbels und eines Möbels aus Plattenwerkstoffen umrissen werden.

Vollholzmöbel

Alle im Tischlerhandwerk vorkommenden Techniken, Werkzeuge und eingesetzten Materialien vorzustellen ist nahezu unmöglich.

Das klassische Herstellen eines Vollholzmöbels beginnt mit dem Auftrennen von Holzbohlen, wie sie aus dem Sägewerk geliefert werden. Die Bohlen werden an der Kreissäge von den Schwarten befreit und in gleichmäßige Kanthölzer gesägt. Danach folgt das Fügen (zwei ebene und rechwinklige Flächen herstellen) der aufgetrennten Hölzer an der Abrichte, gefolgt vom Aushobeln an der Hobelmaschine. Hierbei werden die restlichen Seiten der Kanthölzer winklig und auf Dicke/ Breite gehobelt. Wenn größere Vollholzflächen benötigt werden, werden die hergestellten Kanthölzer zusammengeleimt. Hierzu wird häufig eine Rahmenpresse verwendet. Ist der Leim der breitenverleimten Fläche getrocknet, kann diese erneut ausgehobelt und formatiert werden (auf endgültige Länge und Breite sägen).

Zum Herstellen eines Korpus, eines Schubkastens oder eines Rahmens müssen nun mehrere Einzelteile durch geeignete Wahl der Eckverbindung mit einander verbunden werden. Hier stehen so genannte klassische Eckverbindungen, wie das Zinken die optisch sehr ansprechend sind, oder rationellere Methoden, wie das Dübeln bzw. das Einbringen von Formfedern, zu Verfügung. Jede Technik bedarf anderer Hilfsmittel. Das Zinken wird klassisch von Hand mit einer Feinsäge oder mit entsprechenden Lehren an der Oberfräse gefertigt. Das Dübeln erfolgt an der Langlochbohrmaschine.


Für das Herstellen einer Formfederverbindung wird der Lamellen-Nutfräser, eine Handmaschine eingesetzt. Nuten für Rückwände oder Böden in Schubkästen werden an der Oberfräse gefräste, ebenso wie Rundungen oder Fasen oder Profile angebracht. Für Beschläge, wie Topfbänder werden an Türen und Seiten Bohrungen eingebracht, die ihre Position genau bestimmen und nachträglich festgeschraubt. Klassische Bänder werden mit Stemmeisen und Klüpfel eingelassen, evtl. wird mit der Handunterfräse vorgearbeitet. Vor dem Verleimen werden Innenseiten eines Korpus und nach dem Verleimen die Außenseiten von Leimresten befreit und geschliffen, so dass einer Oberflächenveredelung nichts im Wege steht. Auch hier gibt es viele Möglichkeiten der Gestaltung und Techniken, die auch von der späteren Anwendung und dem Einsatzort eines Möbels bestimmt wird. Gestaltet wird beispielsweise mit Farben in Form von Lasuren, Beizen und Lacken. Auch Öle können eingefärbt werden. Geschützt werden die Oberflächen ebenfalls mit Ölen, Lacken und Lasuren. Zum Einsatz kommen spezielle Spritzgeräte, Farbrollen, Pinsel oder Lappen.

Furnierte Möbel (aus Holzwerkstoffen)

Um ein Möbel aus Holzwerkstoffen herzustellen wird zunächst der Plattenwerkstoff benötigt. Die Liste der zur Verfügung stehenden Werkstoffe ist nahezu unendlich. Gängige Plattenmaterialien sind Spanplatten beschichtet oder unbeschichtet, MDF-Platten, Tischlerplatten, Furniersperrhölzer (hierunter fallen auch so genannte Multiplexplatten), OSB-Platten u. v. m. Der Plattenwerkstoff wird in groß dimensionierten Platten geliefert. Entsprechend muss zunächst z. B. die unbeschichtete Spanplatte aus dem Materiallager zur vertikalen Plattensäge transportiert werden um sie auf dieser aufzuteilen.


Anschließend werden die mit geringfügig größeren Möbelteile auf der Kreissäge formatiert (winklig und auf Maß zuschneiden). Da die Platte in rohem Zustand optischen Ansprüchen nicht genügt, müssen die Platten anschließend beschichtet werden. Die Kanten werden mit Vollholzkanten oder Kunststoffkanten versehen, Vollholzkanten werden mittels Rahmenpresse oder Zwingen angeleimt. Anschließend müssen die zuvor überstehenden Anleimer bündig gefräst und das gesamte Bauteil egalisiert werden, bevor das nun mit Anleimern versehene Bauteil flächig beschichtet werden kann. Alternativ zu Vollholz besteht die Möglichkeit, die Kanten der Spanplattenteile mit Kunststoffkanten zu verdecken. Dünne können aufgebügelt, dickere müssen von hand aufgeleimt oder mit der Kantenanleimmaschine angebracht werden. Auch in diesen Fällen ist das Egalisieren notwendig. Für das Beschichten der großen Flächen gilt das Gleiche wie für die Kanten. Zur Auswahl stehen Vollholz in Form von Furnieren oder verschiedene Kunststoffe in Form von Platten wie HPL oder in flüssiger Form zum Lackieren. Furnier wird in Blattbündeln geliefert. Furnierblätter werden nach sorgfältiger Auswahl gefügt (gerades absägen der Kanten) und mittels speziellem Klebeband oder Nähmaschine aneinander fixiert, so dass die die gesamte Fläche abdecken. Während die Platten der Furnierpresse aufheizen, werden die Furniere beider Seiten bereitgelegt, Leim auf die Flächen aufgetragen und nach dem Auflegen der Furniere das Werkstück furniert. Nach dem Pressen und Abkühlen der furnierten Teile, werden die Furnierüberstände entfernt. Im Anschluss kann weiter verfahren werden wie mit Vollholz. Bohrungen anbringen… Schleifen… Lackieren…

Materialien

Die im Tischlerhandwerk eingesetzten Materialien sind vielseitig. Einige wurden bereits erwähnt. Zunächst sind da natürlich das Vollholz und die Plattenwerkstoffe in ihrer ganzen Vielfalt. Neben dem kommen zunehmend neue Materialien wie Kunststoffe, Metalle, Glas aber auch Leder, Stein und Stoffe zum Einsatz. Eine unheimliche kreative und gestalterische Vielfalt an Möglichkeiten bieten ihre Kombinationsmöglichkeiten gemeinsam mit sämtlichen Formen, Farben und Mustern.

Neben gestalterischen Materialien benutzt der Tischler viele Hilfsstoffe wie Leime, Lacke, Beizen, und Lasuren.

Darüber hinaus verwendet der Tischler Halbfertigfabrikate wie Schrauben, Dübel oder Nägel und Beschläge. Beschläge waren aus dem Schreinerhandwerk noch nie wegzudenken. Entsprechend groß ist heute die Auswahl von klassischen Beschlägen bis hin zu Spezialbeschlägen. Über dieses wird zunehmend Elektronik vorbereitend berücksichtigt oder gar konkret eingebaut. Hierzu zählen vorrangig Beleuchtungen oder Elektronik für bewegliche Teile.